Monika Neumann: Das Kreuz auf dem Feld

Alte erschöpfte Hände halten einen grünen Frühlingsbuchsbaumast. Die Haut auf ihnen, ausgetrocknetem Pergament ähnlich, ist ausgestreckt und mit einem dichtem Netz von tiefen Falten gewebt, durch die Erde, die sie Tag für Tag bearbeiteten,  so schön geschmückt, mit dunklen Linien, die ein wenig an eine Landkarte erinnern bemalt. Die Pflanze, aufgeweckt von den warmen Sonnenstrahlen, strahlt in einer tiefen, lebendigen Farbe in die weisen, fast schon milchig grauen Augen, die im strengen Gesicht irgendwie eingesunken erscheinen und doch voller Lebensfreude glühen, wenn sie von unter der abgesunkenen Augenlieder und weißer Wimpern auf die Welt schauen.

-Co to za habŏzie?[1]– fragt ein Kind, dessen Augen eine ähnliche Farbe haben, aber im Gegensatz zu den alten, fast schon zu groß für das kleine, zierliche Mädchengesicht, das von vollkommen glatten Haaren umrahmt wird, erscheinen.

–To nie jes zŏdne habŏzie. Gańba, żeby takŏ srogŏ dziołska tak gŏdała. To bandzie palma wielkanocnŏ. Kiej Pan Jezus wrŏcoł do Jerozolimy, ludzie witali go palmōma, sam wyglōndały ździebko inaksyj, ale u nŏs sōm take. Sam sōm kotki, podej mi je[2] – antwortet die Frau, während sie auf das Kind schaut, das vom Stuhl herunterrutscht und so still wie möglich in die von den rauen Händen aufgezeigte Richtung läuft. Dort aber liegen außer Weidenästen mit charakteristischen grauen, flauschigen Kugeln, die das Mädchen tatsächlich an das weiche Fell eines Katers erinnern, noch ein Trauerweiden- und Stachelbaumast, etwas grünes  Wacholder und ein Mistelzweig.

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–Piyńć gałanzi, skuliś tego, ze Pan Jezus mioł piyńć ran zadanych kiej go na krzizu wiysali[3] – die Kinderaugen verfolgen die Bewegungen der Hand, die all die Äste zusammenfügen, hier und da etwas verlegen, höher ziehen, noch etwas zupfen, bis sie endlich zufrieden sind. Dann ergreifen die Hände eine Schleife und binden sie um den ungewöhnlichen Straus – Cerwōnŏ majśka skuliś cerwōnej krwi, ftōrŏ Pan Jezus za nŏs przeloł[4] – die Hände reichen die Osterpalme an das Kind, dessen Gesicht in tiefem Ernst erstarrt ist und dessen Augen interessiert die Äste in der winzigen Hand beobachten- Jutro, jak pōjdziymy do kościoła, bandzies trzymać palma, Pōn Bōcek cie zobejrzi, a farŏrz poświyńci te gałanzie[5] – sagt sie und streichelt dem Kind zärtlich über den Kopf.

Dej pozōr tyż:  Wilczy kamień

Das Mädchen will den flauschigen Kopf des grauen Kätzchens streicheln, dabei bleiben ihre kleinen Hände aber an den Stacheln der Stachelbeeren hängen. Bald sieht sie einen roten Bluttropfen in die Osterpalme fallen. Das Kind, erschrocken, steckt den blutenden Finger schnell in den Mund und sagt keinem, dass sie die grünen Zweige mit roten Flecken geschmückt hat, das wollte sie ja auch nicht und keiner merkt etwas, als sie gehorsam hinter ihrer Oma mit ihren kleinen Füßchen trampelt.

Es folgen Tage, voller Andacht und Stiller Gebete, graue und ernste Tage, die dem Kind furchtbar traurig erscheinen, sie versteht aber nicht viel davon, wieso dies so ist. Am Gründonnerstag sieht sie, wie ihr Vater nach der Messe die Osterpalme, vom Pfarrer mit Wasser und von ihr mit einem Bluttropfen geweiht, in die Hand nimmt, sich einige Äste rausholt und aus ihnen ein kleines Kreuz anfertigt, das er auf den Tisch legt.

–Camu psujes ta palma, kiej oma ja tak fajnie przisykowała?[6]– fragt sie mit einer vorwurfsvollen Stimme.

–Nie psujam, yno robia krzizyk. Podōg mie, to jus niyskoro  jes, takŏ dziołska powinna jus dŏwno w łōsku ligać.[7]

Am Morgen wecken sie die ersten, noch schüchternen und etwas graulichen Sonnenstrahlen, die fleißigen Füße ihrer Mutter und die schweren Schritte ihres Vaters auf. Sie öffnet ihre Augen und sieht, wie ihr Vater das kleine Kreuz in die Hand nimmt und nach draußen geht. Das Kind folgt ihm aufs Feld. Seine langen Schritte stehen in keinerlei Harmonie mit den schnellen Bewegungen ihrer kurzen Beine. Es ist noch kalt, sie sieht die Tautropfen auf den Grashalmen, die sich nach Sonne und ihrem Segen sehnen und Richtung der Morgendämmerung strecken. Die Bäume heben ihre Arme hoch in die Luft. Das Kind schaut auf das nackte und schwarze Holz, noch ohne grün und irgendwie erinnert sie dieser Anblick an das Kreuz, das ihr Vater angefertigt hat.

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Als sie endlich vor dem feuchten, schwarzen Acker, der bis zum Horizont die Erde umhüllt, stehen, schlägt ihr ein starker Windstoß ins Gesicht. Sie schaut auf ihrem Vater, der im Gebet versunken sich hinkniet. Sie will die Worte hören, die seine Lippen flüstern, sie kann es aber nicht, denn der Wind rauscht in ihren Ohren zu laut. Schließlich segnet ihr Vater die Erde, die voller Saat fruchtbar für seine Familie sein wird und pflanzt das kleine Kreuz gleich mit. Dem Mädchen kommt es so vor, als würde sie kleine rote Tropfen auf den Ästen sehen.

Später wird sie zwischen ihrer Mutter und ihrer Oma in der Kirchenbank sitzen und auf den Altar schauen, der statt Glockengesang, mit Holzklopfen erklingen wird. Sie wird auf das Kreuz, das zuvor verborgen, nun wieder enthüllt, blicken. Sie wird dabei an das gepflanzte und ihren Acker den Segen aussprechende Kreuz denken. Sie wird mit ihrem inneren Auge die fünf Wunden und die roten Bluttropfen ganz genau sehen können. Sie wird dann an die schwarze Erde denken und auf ihre kleinen Hände schauen, noch ganz weich und weiß sind. Nur eine kleine rote Schramme wird das weiße Lacken ihrer Hand durchbrechen.

 

Polnisch-oberschlesische Version hier // Polsko-śląska wersja tutaj: https://wachtyrz.eu/monika-neumann-krzyz-na-polu/

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[1]Was ist für ein Unkraut?

[2]Das ist doch kein Unkraut. Es wäre eine Schande, wenn so ein großes Mädchen sowas erzählen wurde. Das wird eine Osterpalme. Als Christus in Jerusalem ankam, haben die Leute Ihn mit ihnen begrüßt. Ihre Palmen sahen etwas anders aus, aber bei uns sind sie halt so. Dort liegen die Kätzchen, gib sie mir bitte.

[3]Fünft Äste, weil Christus fünf Wunden zugefügt wurden, als er auf dem Kreuz aufgehengt wurde.

[4]Eine rote Schleife, weil das Blut Christi, das fuer uns geflossen ist, auch rot war.

[5]Morgen, wenn wir in die Kirche gehen, wirst du diese Palme in den Händen halten, der Liebe Gott wird dich bestimmt sehen und der Pfarrer wird die Palme weihen.

[6]Warum machst du die Palme kaputt, die die Oma so schön gemacht hat?

[7]Ich mache sie nicht kaputt. Ich mache ein Kreuz aus ihr und wenn du mich fragst ist es schon spät, so ein Mädchen sollte längst im Bettchen liegen.

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Mōnika Neumann

„Te ôpolske dziołchy, wielkie paradnice, kŏzały se posyć cerwone spōdnice…” Monika Neumann czerwonej spódnicy jeszcze nie posiada, ale ôpolskōm dziołchōm jest z krwi i kości. Jest absolwentką Instytutu Filologii Germańskiej w Opolu i już za bajtla odkryła w sobie szczególne upodobanie do historii o tym, jak na jej małym skrawku Ślōnska bōło piyrwej.

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