Irrlichter

Piyrwej. Es ist ein kurzes Wort, doch verbirgt es in der Spannweite der wenigen Buchstaben, die es zusammenheften, ganze Welten an Bedeutung. Piyrwej ausgesprochen von einer jungen dziołcha zeichnet Jahre der ungetrübten Kindheit, die, durchfüllt von der Leichtigkeit und der Unwissenheit des noch so naiven und noch nicht verklärten Kinderverstandes, den kalten Erwachsenenherzen etwas Wärme spenden. Piyrwej in den Lippen eines Greisen breitet vor dem Zuhörer eine vollkommen anderes Raumzeitkontinuum aus, das noch vor dem Zeitalten der Digitalisierung stammt, einen Ort und eine Zeit, die heute Geschichte genannt werden und so unerreichbar, wie die Gesichter jener, die mit jenen Augenblicken von uns in die Vergangenheit gewichen sind.

Piyrwej hier bedeutet eine naher unbestimmte Periode, in der die Geister der Schlesischen Erde noch frei auf der Erde herumkreisten und vor den Menschen nach ihren Rechten langten. Sie schauten durch die Fenster in die Häuser, in die Scheunen und blickten auf das Inventar. Die Menschen versuchten sie mit ihrer Frömmigkeit und inbrünstigen Gebeten fortzujagen, jedoch die Geister kamen immer wieder zurück und legten ihre kalten Hände auf dem Rücken der unvorsichtigen. Manchmal wollten sie nur etwas Scherzen, schließlich ist ein guter Witz doch so typisch für den Oberschlesischen Geist, wie eine gesunde Röte auf den Wangen einer jungen Frela. Manchmal wollten sie etwas Angst einjagen, ermahnen, denn Ernst wurde in die Oberschlesische Seele so tief eingeschrieben, wie die Falten in das pergamentartige Gesicht eines Greisen.

Damals, als der Herbst sich auf die Wälder, Wiesen, Städte und Dörfer legte und dabei die Welt neu erscheinen ließ, umhüllte dichter Nebel die Länder. Dieser Nebel, vollkommen anders, als der heutige, der nur noch einen Bruchteil von der primären Macht behalten hat, blendete beim Sonnenaufgang und Sonnenuntergant mit ihrem milchigen Licht die Welt. Sie kroch aus allen krzipopa und zusammen mit ihr, die Mächte, die der Mensch ständig versuchte von sich davonzujagen. Die Bäume, immer kahler, hoben ihre Arme hoch in die Luft  und ähnelten dabei vom Nebel verschlungenen, ertrinkenden Menschen. Sie wollten dem Himmel ihre goldenen Schätze reichen, dieses aber, bescheiden und nicht besonders auf die Reichtümer dieser Welt gierig, warf sie wieder runter zu der Erde.

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Das Gold des runtergeworfenen Laubes leuchtete feucht unter den Füssen derjenigen, die im dichten, geheimnisvollen Nebel ihre Wege gegen mussten. Sie blickten auf die kleinen Tränen, die die Mächte bei ihrem Abschied geweint haben. Klitzeklein funkelten sie wie Perlen, manchmal verwandelten sie sich auch in eisige Nadeln, die sich in alles, was noch lebendig war, einbohrten, als der Frost die nebligen Mächte wieder unter die Erdoberfläche verjagte.

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Schön war diese Welt, voll von Farben und Lichtarten, die heute nur noch schwer zu sehen sind, aber auch gefährlich und ungnädig für einen dreisten und unvernünftigen Menschen.

Genau so eine Seele besaß der gute Norbert und zu seinem Unglück kam es so, dass er genau in diesem geheimnisvollen piyrwej lebte und auch verschwand. Norbert zeichnete sich mit nichts besonderem aus, er was ein junger Heranwachsender, wie es so viele auf dieser Welt gibt. Unter seiner Nase strahlte ein strohfarbenes Gestrüpp, das so langsam einem Schnauzer zu ähneln anfing. Dieses wurde von einem einzelnen hellen Haar. Sein Kiefer nahm so langsam eine eckige, fast schon männliche Form an. Seine Augen behielten aber immer noch eine jungenhafte Sanftheit, die der junge Mensch mit einem frechen Lächeln zu maskieren versuchte. Er war schon ziemlich groß, grösser als sein Vater, sein Opa, aber immer noch kleiner als sein älterer Bruder. Seine Arme verrieten, dass er wohl noch etwas in die Breite wachse wird, aber Beine blieben noch lang und dünn und tapten dabei noch etwas unsicher vor sich hin, als würden sie mit jedem Schritt den Weg abtasten und nach potenziellen Gefahren durchsuchen.

Starki padały, ze to jes richtig sumny synek, ja, śwarny, prosty jak świyca, ale miglanc nie z tej ziymi i skuliś tego padały swoim paniynkōm, by dŏwały pozōr przed nim.[1]

Und Norbert war wirklich bemüht seinem Ruf alle Ehre zu machen und an diesem Abend, statt, wie es ihm seine Mutter befahl, in die Kirche zu gehen und dort den Rosenkranz für seinen Nachbarn zu beten, beschloss er einen Spaziergang durch die Feldwege zu unternehmen und dabei zu beobachten, wie weit alle mit den Feldarbeiten waren.

Dies war nicht die klügste Idee, denn die untergehende Sonne spendete nicht genug Tageslicht für seine Beobachtungen und die Züge von dem, was das rosa-grauliche Licht hervorhob wurden ziemlich schnell vom dichten Nebel verschlungen. Norbert machte sich aber wenig draus und schlich weiter durch die Felder Richtung den weiten Wiesen.

Mal für mal poprŏwiŏ swoja mycka z daskiym, ulubiunŏ, bo prziwieziōnŏ bez bracika w geszynku. [2] So wollte er normalerweise die Aufmerksamkeit der Menschen auf das beste Stück seiner Garderobe lenken, das ihm selber so gefiel. Irgendwo in der Ferne funkelten die Lichter aus den Häusern, in die die n von der Kirche schon zurückgekehrt waren. Das Licht war warm, golden, von hellen Kerzen in die Dunkelheit geworfen.

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Irgendwann wurde es Norbert kalt und er beschloss wie die anderen nach Hause zu gehen, jedoch wurde der Nebel so dicht, dass er nicht mehr wusste wo genau dieses Zuhause war. Schließlich erblickte der Junge ein Licht, das wohl aus den Gehäusen stammte und richtete sich nach ihm.

Plötzlich fühlte er, wie der Nebel sich auf seinem dünnen Körper abzusetzen begann. Er durchnässte seine Kleidung und floss mit kleinen Tautropfen von seiner Nase Richtung zitternden Lippen. Das Licht blieb weit entfernt, obwohl er schon ziemlich lange vor sich hin tapste. Langsam wurde er immer aufgeregter. Jugendlicher Widerstand ließ ihn stehen bleiben. Dies war auch ein kluger Schachzug, denn vor seinen Füssen erblickte der Junge plötzlich den Fluss, der doch in der gegenentsetzten Richtung vom Dorf lag. Da hörte er etwas, fast wie leises kichern, dass so klang, als käme es aus einem tiefen Brunnen und durchs Echo hochgetragen wäre.

Klynkanice…. Pierōna… Nocnice… Jasny gwint- fing der Junge an vor sich hin zu fluchen, wie es sein unruhiger Geist zur Gewohnheit hatte. Nach einer Weile wurde er wieder ganz still und fing an nachzudenken. Man könnte jetzt schreiben, dass niemand mehr etwas von Norbert gehört hatte, dass er wie vom Erdboden verschwunden war, die Irrlichter ihn an einen weit entfernten Ort führten, von dem er nicht mehr zurückkehren konnte. So war es aber nicht.

Das Licht zwinkerte dem Jungen aus verschiedenen Richtungen zu, versuchte den jungen Menschen zu verwirren. Norbert jedoch, besaß außer seinem jugendlichen Trotz, seinem dreisten und nervigen Gemüt, auch einen hellen Geist, den er, je nach Gebrauch, einzusetzen verstand und genau in diesem Moment kam er zu der Einsicht, dass jetzt ein guter Moment war, sich diesen Verstand einzusetzen. Er begann intensiv drüber nachzudenken, wie er das kleine Lichtgeschöpft, dass auf seinem Rücken saß und ihn herumirren lies, überlisten könnte.

Er war nüchtern, im Gegensatz zu denjenigen, die üblicherweise diese Geschöpfe auf ihren trunkenen Heimwegen von der Kneipe trafen. Um ehrlich zu sein, kam ihm diese Idee heute schon mal in den Kopf. Er wollte den Gasthof besuchen und zum Schluss des Rosenkranzes in der Kirche wieder zu Hause sein. Aber Unterwegs ließ er es doch sein. Er beschloss entlang der Felder einen Spaziergang zu machen und auf dem Umweg wieder nach Hause zu gelangen. Diesem Vorhaben wollte er auch treu bleiben.

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So entwickelte Norbert einen Plan. Sein Haus, wie auch das ganze Dorf, in dem er schon in Sicherheit sein würde, lagen genau gegenüber des Flusses, der ruhig und unbeeindruckt von Norberts Füßen direkt am Ufer beständig seiner dunklen  Strömung nachging. Die Klękanica zwinkerte ihm aus allen möglichen Richtungen zu, nur nicht dieser einen. So drehte sich Norbert um, bekreuzigte sich vorsichtshalber und ging in die einzige Richtung, wo sein Haus sein konnte, los. Dabei ignorierte er den listigen und bösartigen Lichtgeist, der nicht locker lassen wollte und immer wieder versuchte ihn vom richtigen Weg abzubringen.

So kam Norbert, zwar durchnässt und durchgefroren, aber in einem Stück, zu Hause an. Als er in die gute Stube reinging, sagte er kein einziges Wort. Die Fragen, wieso er so blass und nass ist und wo er so lange war, blieben unbeantwortet.  Seblyk wilgotne zachy i zarŏs lygnōł do łōska[3]. Bald wurde der junge vom hohen Fieber für ganze 7 Tage überwältigt. So schwer war es für den Jungen, sein stures Ich zu ändern. Als er aber schließlich die Krankheit bezwang und wieder vom Bett aufgestanden war, wurde er zu einem ganz neuen Norbert. Den jugendlichen Trotz bewahrte er sich in seinem frechen Lächeln und scharfem Witz auf. Sein ganzes Wesen jedoch wurde demütiger. Dieses Abenteuer blieb jedoch ein Geheimnis. Norbert erzählte es piyrwej niemanden. Bis es auf Umwegen in diese Erzählung kam, wo alle von Norbert und den Irrlichtern erfuhren.

 

[1]Die Großmütter meinten, er sein ein äußerst gutaussehender Junge, ja, gerade wie eine Kerze, aber ein Lausbube, wie es nur wenige gibt und daher rieten sie ihren Enkelinnen sich vor ihn in Acht zu nehmen.

[2]Rückte er seine neue Mütze zurecht. Es war seine Lieblingsmütze, weil sie ein Geschenk von seinem Bruder war.

[3]Er zog die nasen Sachen schnell aus und legte sich gleich ins Bett.

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Mōnika Neumann

„Te ôpolske dziołchy, wielkie paradnice, kŏzały se posyć cerwone spōdnice…” Monika Neumann czerwonej spódnicy jeszcze nie posiada, ale ôpolskōm dziołchōm jest z krwi i kości. Jest absolwentką Instytutu Filologii Germańskiej w Opolu i już za bajtla odkryła w sobie szczególne upodobanie do historii o tym, jak na jej małym skrawku Ślōnska bōło piyrwej.

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