Monika Neumann: Frühlingsalp

Der Ochse steht unruhig, sein mächtiger Körper steigt und sinkt mit jedem Atemzug, aus den riesigen Nasenlöchern kommt heißer Dampf, als er laut und widerspenstig brüllt. Nach einem langen Winter holt sein Besitzer den Pflug endlich aus dem Schuppen und bereitet ihn vor, um das erste Mal in diesem Frühling die harte Erde wieder für Sonne und Saat zu öffnen. Das Tier lässt sich schließlich den Pflug anhängen. Der Mann atmet den Duft von feuchter Erde und neuem Leben in der frischen Frühlingsluft ein. Die Bäume, die entlang des langen Feldweges wachsen, strecken liebäugelnd ihre ersten grünen Knospen Richtung Sonne. Diese, ebenso schüchtern, schaut zwischen den Wolken auf die sich nach Wärme sehnende Erde und lässt die ersten goldig warmen Sonnenstrahlen hinuntergießen. Der Mann bückte sich über dem Acker, den er bald liebkosend formen wird, damit er ihm in Gegenzug die Ernte überlässt.  In der Hand hält er ein Stück Brot, einen Gelnik, den er von Heiligabend aufgehoben hat. Diesen will er der Erde widmen, damit auch sie in Fülle und Gottessegen erblüht.

Terŏski dopiero sie zacnie. Sam roboty mōmy na cołki rok[1]– sagt der Mann, der Jahr für Jahr diesen Zyklus wiederholt und streichelt dabei das Tier zärtlich über den Rücken. Dunkelbraune Streifen schmücken die fast schon rote Farbe, die den großen Leib umhüllt. Der Ochse senkt sein riesiges Haupt mit den großen Hörnern, als wüsste er, dass er ganz besonders ist und um noch etwas mehr Zärtlichkeit bitten wollte. Der Mann streichelt noch einmal den muskelbepackten Rücken und lenkt seine Aufmerksamkeit schließlich auf das Gerät aus Metall, das bald die harte Hülle der Erde in zwei teilen und den schwarzen Schatz zum Vorschein bringen sollte. Ein seltsam süßes, lautes Kichern stört ihn aber dabei. Das Kichern wandert über den matschigen Feldweg entlang.

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Eine Frau, umhüllt in bunte Kleider, folgt dem süßen Klang. Ihr Rock flattert wild im Wind, ihr strohfarbener Zopf reflektiert die Sonnenstrahlen und schmiegt sich sanft um ihre wohlgeformten Schultern. Ihre Arme bewegen sich mit jedem Schritt anmutig im Wind. Die Wangen, rot vom ständigen Lächeln, kontrastieren mit der milchig weißen Haut, ihre hellen Augen werfen Funken, ihr Lachen schlägt Echo im Vogelgesang.

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Kaj tak wartko idziecie? Szczewiki wydrepcecie, a i tak nieskoro zajdziecie[2]– ruft der verwunderte Mann mit unsicherer Stimme. Er kennt die Frau nicht und weis ebenso nicht, wieso sie so schnell durch sein Feld läuft, er weis aber ganz genau, dass sie eins der schönsten Erscheinungen ist, die er im Leben bewundern durfte.

Sam mie wołajōm[3]– antwortet sie, während sie sich kurz zum Mann umdreht. Eine Sekunde lang bewundert dieser die bunten Kleider der Frau und plötzlich ist sie wieder verschwunden, als wäre sie nie da gewesen. Es herrscht wieder Stille, unterbrochen nur durch das unruhige Brüllen des Ochsen, Vogelgesang und seinen eigenen, unregelmäßigen Atem. Der Wind, der vom Dorf her weht, bring ihm ein Lied, gesungen von vielen freudigen Stimmen:

Marzanka rosła, aze urosła
jak sosna, jak sosna!
Nasa Marzanecka jako kwsiat, jako kwsiat,
dziwuje się, dziwuje
cały świat, cały świat!
Marzanka rosła, aze urosła
jak sosna, jak sosna!
Nasa Marzanecka na dōmbku, na dōmbku.
Posołżeś tam pofrōnōł gołōmbku, gołōmbku?
Marzanka rosła, aze urosła
jak sosna, jak sosna[1].[4]

Die Frauen jammern, doch der Wind hebt ihre Stimmen und formt sie über den Feldern zu einer Melodie. Er führt sie über den Acker, lässt sie die nackten Äste umhüllen und schließlich in die von Sonnenstrahlen verklärte, durch Wolken und Regentropfen bedeckte Weite entfliehen. Ein junge Knabe wedelt lustig mit einer Strohpuppe in bunten Kleidern. Das Kopftuch und der Rock flattern im Wind. Der Mann sieht das tiefe Blau und grelles Rot, das mit der noch grauen Landschaft kontrastiert. Er ergreift den Pflug in die Hand, der Ochse beginnt zu ziehen, seine schweren beine versinken dem Pflug ähnlich in der harten Erdkruste. Der Mann atmet den Duft der feuchten Erde ein, er verinnerlicht das dort versteckte Leben  und hört dabei den lamentierenden Stimmen zu. Als er seinen Blick etwas hebt, sieht er, wie die Dorfeinwohner die bunte Gestallt in den Krzipop hineinwerfen. Im Graben fließt ein kleiner Fluss. Der Mann hört ein leises Platschen und sein Ochse brüllt wieder. Die beiden sehen Rauch vom Fluss emporsteigen und über den Köpfen der Menschen wieder verschwinden, denn das Wasser löscht das Feuer, eher es die bunten Tücher und Röcke der Strohpuppe verzerren kann.

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Die versammelten Menschen beginnen langsam sich zu entfernen. Sie lachen, rufen ihm zu, wie er dort mit dem Pfluge über der Erde steht, die er zu formen versucht, damit sie ihm ihre Frucht gibt.

Ja, ja… chnet zajś banie sam zielōno[5]– seufzt der Mann, als all die lustigen, lachenden Gesichter wieder verschwunden sind.

Nach einer Weile hört er schnelle Fußschritte. Gelangweilt hebt er seinen Blick und sieht wieder die wunderschöne Frau. Es dauert nur einen kurzen Moment. Was er in den wenigen Sekunden sieht, verwundert ihn stark. Er sieht die Frau ihren strohfarbenen Zopf in die Hand nehmen und Wasser aus den nassen Haaren quetschen. Sie lacht dabei und zwinkert ihm zu und ist gleich danach wieder verschwunden. Er bleibt verwundert, mit Pflug und Ochsen stehen und die Erde, der er Brot gegeben hat, die er mit Liebe geformt hat, seufzt ihm ein stilles Versprechen zu.

Polnisch-oberschlesische Version: https://wachtyrz.eu/monika-neumann-mary-wiosny/

[1]Quelle des Liedtextes: http://wiano.eu/article/1579

[1]Jetzt fängt es wieder an. Hier haben wir ein ganzes Jahr voller Arbeit.

[2]Wohin beeilen Sie sich denn so? Sie laufen sich die Schuhe kaputt und kommen dennoch zu spät.

[3] Ich werde dort gerufen!

[4]Die Marzanka, sie wuchs, sie wuchs, ja ja,
wie eine Kiefer, wie eine Kiefer, la la.
Unsere Marzanecka, wie eine Blüte, wie eine Blüte,
so wundert sich, so wundert sich
die ganze Welt, die ganze Welt in ihrer Güte!
Die Marzanka, sie wuchs, sie wuchs, ja ja,
wie eine Kiefer, wie eine Kiefer, la la.
Unsere Marzanecka, auf einer Eiche, auf einer Eiche,
wieso bist du dorthin geflogen, kleines Täubchen, kleines Täubchen.
Die Marzanka, sie wuchs, sie wuchs, ja ja,
wie eine Kiefer, wie eine Kiefer, la la. (Übersetzung M.N.)

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[5] Ja, ja… Bald ist es hier wieder grün.

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Mōnika Neumann

„Te ôpolske dziołchy, wielkie paradnice, kŏzały se posyć cerwone spōdnice…” Monika Neumann czerwonej spódnicy jeszcze nie posiada, ale ôpolskōm dziołchōm jest z krwi i kości. Jest absolwentką Instytutu Filologii Germańskiej w Opolu i już za bajtla odkryła w sobie szczególne upodobanie do historii o tym, jak na jej małym skrawku Ślōnska bōło piyrwej.

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