Monika Neumann: Himbeerlicht

Die Tür ging plötzlich auf und warme Sommerluft floss in den Raum. Ein kleines Mädchen rannte in die Küche und mit einem großen, wie er sich für sie anfüllte, Sprung, stand sie schon neben einem noch größeren Kachelofen, auf dem ein genauso großer, dampfender Topf stand. Das Feuer knirschte und zischte, als es ein Stücke Holz zerfraß und das Blubbern im Topf schien ihr so laut, wie das Rauschen eines riesigen Wasserfalls. Neben dem Topf stand eine ältere Frau  mit einem Holzlöffel und goss etwas rotes in Einweckgläser.

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–Oma, oma, jesta głodnŏ- rief das kleine Mädchen, das mit einem zweiten Sprung neben dem Bein der alten Frau stand und an ihrem Rock zupfte, um die Aufmerksamkeit der wachen, mit Falten bespickten Augen auf ihr rundes und helles Gesicht zu lenken. Ihre Wangen bedeckte eine gesunde Röte, die hellen Augen strahlten mit der Wärme eines Sommernachmittages und blonde Locken, die dem geflochtenen, durch den Wind gestreichelten Zopf, entflohen waren, umrahmten das zierliche Gesicht. Sie duftete nach frischer Luft, grünem Grass und Sonne. Der Raum war mit Himbeerduft überfüllt, er überdeckte schon fast den Geruch der alten Holzmöbel, was der warmen Sonne, die durch die weißen Vorhänge schüchtern hineingoss, gar nicht auffiel. Das Mädchen zeigte mit dem Finger auf ihren Bauch und machte ein hungriges Knurren nach, lachte dabei ständig, was die Darbietung deutlich behinderte.

–A co byś chciała zjejś?- fragte die Oma mit einer zufriedenen Stimme. Der Appetit ihrer Enkelin war ihr immer eine Freude.

–Cojś dobrego, oma. A co tam warzis? Dobrze wōniŏ.

-A skosztuj- antwortete sie und nahm mit großen Holzlöffel eine gute Portion des roten, blubbernden Gels, das sie zuvor in die Einweggläser goss. Als sie ihn ihrer Enkelin vor den Mund hielt, verschlang das Kind alles in einem Happen.

–Dej pozōr, bo zarŏs całŏ łeska zjys- sagte die Frau mit einem lauten Lachen und ging in die Speisekammer um ein Stück Brot zu holen. Sie strich Butter un das Himbeergelee drüber. Als sie einen Blick auf ihrer Enkelin warf, bemerkte sie, dass diese schon dabei war sich selber eine Portion zu holen und auf dem Kohlkasten balancierend versuchte, zum Topf zu gelangen und nur noch Millimeter vom heißen Blech entfernt war.

–Kaj tyś ta rydźka znojdła, złaź z Kohlkastli, sam mŏs gelnik chleba.

-Ale oma, tam w gorcku sōm maliny.

-Sam mŏs maliny na chlebie– antwortete die Frau. Eigentlich hatte sie vor etwas Strenge zu zeigen, aber als sie sah, wie schnell das Mädchen das Stück Brot verschlang, wie strahlend ihr Gesicht dabei war und wie schnell ihre kleinen Füße hin und her schaukelten, zerschmolz die Strenge im warmen Herzen. Nichts konnte so ihrem kulinarischen Ego schmeicheln, wie der gesunde Appetit eines Kindes. Sie nahm ein neues Einwegglas und goss etwas Himbeergelee hinein, wartete eine Minute, damit das Kind es ohne sich zu verbrennen in die Hand nehmen konnte und gab es ihm.

–Mŏs jedna krauzka, pamiyntej ja wziōńś jak do dōm pojedzies.

Das Mädchen bedankte sich und nahm in die klebrigen Hände ein Glass voller roter, fruchtiger Süße.

Eisiger Wind sprang ihr ins Gesicht und warf sie aus ihrer Gedankenwelt hinaus. In der Hand hielt sie ein rotes Grablicht, ihr Blick war auf das rote Glass fixiert, stur versuchte sie sich dem kleinen Fetzen ihrer Erinnerung festzuhalten. Ihre Gesichtszüge haben sich verändert, die vergehenden Jahre haben es nach dem Vorbild all der Frauen, die vor ihr kamen und in deren Fußstapfen sie bald treten sollte, geprägt. Der geflochtene Zopf wich nun langen, glatten, zur Seite gekämmten Haaren, der lange Mantel und hohe Absatzschuhe sollten sie ernster wirken lassen. Nur die hellen Augen blieben unverändert, nur schauten sie nun irgendwie anders auf die Welt.

Endlich bückte sie sich über dem Grab und zündete das kleine Licht an, sie stellte es irgendwo zwischen die Chrysanthemen und anderen Lichter, schaute dabei unentwegt auf die goldenen Buchstaben auf der dunklen Marmorplatte. Sie schaute sie an und las nach und nach dieselben Namen und Daten, dabei wiederholten ihre Lippen das Gebet, das irgendwo über dem Friedhoff schwebte und höher, immer höher flog, getragen durch das Rauschen der Blätter, die noch nicht zu Boden gefallen ist. Die Erinnerung war so lebendig, auch wenn es so weit weg war, hinter der Grenze zweier Welten.

Ihr Blick streichelte noch einmal das kleine rote Grablicht und ihr Gesicht wurde plötzlich ganz hell, sie lächelte. Es war das Lächeln einer Person, die gelernt hatte mit dem Verlust zu leben und über die Grenzen der Zeit hinweg zu lieben. Das kleine Grablicht hatte genau dieselbe Farbe, wie das Himbeergeleeglas,  und als sie es auf die kalte Marmorplatte legte wärmte das kleine Feuer in ihm ihre Hand genauso stark, wie der Himbeergelee in ihrer kleinen klebrigen Hand damals. Bis heute spürte sie den süßen Geschmack und die Wärme, die ihren Körpers von innen füllte. Sie erinnerte sich an jede Kleinigkeit und als sie das Gebet nochmals wiederholte, ihr Blick das Meer brennender Lichter umfasste und sie  den Duft tausender verblühender Chrysanthemen einatmetete, fühlte sich ihr Herz so wohlig ruhig an, sie verspürte eine allumfassende Wärme, die sich weder vom kalten Wind noch durch die vergehende Zeit vertreiben ließ.

Polnisch-oberschlesische Version: https://wachtyrz.eu/monika-neumann-malinowy-znicz/

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Mōnika Neumann

„Te ôpolske dziołchy, wielkie paradnice, kŏzały se posyć cerwone spōdnice…” Monika Neumann czerwonej spódnicy jeszcze nie posiada, ale ôpolskōm dziołchōm jest z krwi i kości. Jest absolwentką Instytutu Filologii Germańskiej w Opolu i już za bajtla odkryła w sobie szczególne upodobanie do historii o tym, jak na jej małym skrawku Ślōnska bōło piyrwej.

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