Historische Entwicklungen zu (Ober)Schlesisch

Am 26. April 2024 begann an der Universität des Saarlandes der weltweit erste universitäre Sprachkurs in (Ober)Schlesisch. Am Vorabend gab es einen von der Gesellschaft für deutsche Sprache geförderten Vortrag an der gleichnamigen Universität mit dem Titel „Oberschlesisch: Sprache oder Dialekt? Aktuelle Entwicklungen zu Eichendorffs Zweitsprache“.[1] Dies wurde von einigen anwesenden Personen mit Anbindungen zu Oberschlesien als eine hervorragende Zusammenfassung und Einführung in die am nächsten Tag stattfindende Abstimmung über die Anerkennung des (Ober)Schlesischen als Regionalsprache im polnischen Parlament gedeutet. „Ein historischer Tag im doppelten Sinne“, wie es die Komparatistin Frau Dr. Agnieszka Hudzik von der Universität des Saarlandes im Gespräch betonte.

Der Sejm – wie das polnische Parlament in Polen genannt wird – beschloss nämlich ebenfalls am 26. April 2024 mit 236 Stimmen dafür, 186 Stimmen dagegen und 5 enthaltenen Stimmen, dass (Ober)Schlesisch den Status einer Regionalsprache im politischen Sinne zusteht.[2]  Die sich dafür aussprechenden Stimmen kamen überwiegend von der aktuell in Polen regierenden Koalition der folgenden Parteien: Bürgerkoalition (KO), der Polnischen Bauernpartei (PSL), Szymon Hołownias Polen 2050 (PL2050) und der Neuen Linken (NL), wobei auch zwei Abgeordnete der oppositionellen PiS dafür gestimmt haben. Dagegen waren jedoch überwiegend die Abgeordneten der nationalistisch-rechtsradikal-konservativ ausgerichteten Opposition: Recht und Gerechtigkeit (PiS) und Konföderation (Konfederacja).[3]

Am 8. maj 2024 erfolgte dann die Abstimmung über die Veränderung des Gesetzes über nationale und ethnische Minderheiten und die Regionalsprache innerhalb der weiteren Instanz, und zwar im polnischen Senat. Dabei äußerte sich die Vertreterin und Vorsitzende des Rates für die Polnische Sprache – Frau Prof. Dr. Katarzyna Kłosińska, dass man den oberschlesischen Ethnolekt als Sprache durchaus anerkennen könne und es eine sehr lebendige Sprache sei, denn darin würde schon längst – über den alltäglichen Gebrauch der Sprache hinaus – neue Literatur entstehen.[4] Das Ergebnis der Senatsausschüsse für Bildung, Kultur und Medien sowie für lokale Selbstverwaltung und staatliche Verwaltung  wiesen zunächst auf 17 Senatoren-Stimmen dafür und lediglich 5 dagegen hin, wobei sich keiner enthalten hatte. Aus diese Weise wurde der Gesetzesentwurf ohne Veränderungsvorschläge angenommen. Mit der Anerkennung des (Ober)Schlesischen als Regionalsprache könnte die Sprache nun auch in jenen Gemeinden freiwillig an Schulen unterrichtet oder gar auf zweisprachigen Ortsschildern eingeführt werden, in denen sich – während der Volksabstimmung 2021 in Polen – der Prozentsatz von mindestens 20% der Einwohner zu der (ober)schlesischen national-ethnischen Identität bekannt hatte.[5]

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Am Folgetag, dem 9. Mai 2024, stimmte der Senat ab: zunächst für die Ablehnung des Gesetzesentwurfs mit 30 Stimmung dafür, 57 dagegen und einer enthaltenen Stimme, folglich auch für die Annahme des Gesetzesentwurfs mit 57 Stimmen dafür, 29 dagegen und 2 enthaltenen Stimmen.[6]

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Am 10. Mai 2024 verfasste hingegen der oberschlesische Schriftsteller Szczepan Twardoch einen offenen Brief an den Präsidenten Andrzej Duda, der von zahlreichen Vertretern der Wissenschaft, Kultur, Politik und Aktivisten unterschrieben wurde, u.a. von der Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk.[7] Der Anlass zum Brief war eine am 5. Mai 2024 in den Medien kursierende inoffizielle Nachricht, dass Präsident Duda sich bereits entschieden habe, den Gesetzesentwurf nicht zu unterschreiben.[8] Dies könne aufgrund der politischen Nähe des polnischen Präsidenten zur PiS-Partei erfolgen, wie es der Befürworter und Vertreter der (Ober)Schlesischen-Angelegenheit im Europaparlament – Łukasz Kohut – skeptisch kommentierte.[9]

Maciej Poloczek in seinem Zeitungsbeitrag vom 14. Mai 2024 über die Forderung von Bolesław Piecha, eines PiS-Abgeordneten aus dem oberschlesischen Rybnik, berichtet: der Präsident sollte doch den Gesetzesentwurf unterzeichnen, mit der folgenden Begründung: „Ich bin ein Schlesier, was nicht bedeutet, dass ich irgendeine deutsche Option wählen werde“.[10] Diese Äußerung lässt bedauerlicherweise weiterhin deutlich die anti-deutschen Ressentiments der nationalistisch-rechtsradikalen Perspektiven seitens der PiS-Partei mitschwingen, die diese Region, ihre Sprache und Kultur nicht als europäisches Kulturerbe aus einer transkulturellen und grenzenübergreifenden Sicht betrachtet, sondern sich an die Bürger mit einer Forderung zur Entscheidung für den polnischen Nationalstaat richtet. Ein ziemlich missverstandenes Konzept für ein friedliches Verständnis der oberschlesischen Region und seiner Minderheitenspezifik, und zudem eines, das den vor hundert Jahren bereits grassierenden national-politischen Konflikt neu aufleben lässt.

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Präsident Duda stehen seit der letzten Senatsabstimmung drei Wochen Bedenkzeit zu, um sich zu entscheiden.[11]  Welche Wahl in dieser Angelegenheit der polnische Präsident Duda letztlich treffen wird, bleibt jedoch abzuwarten. Auch wenn es bei diesem Versuch nicht klappen sollte, so kann man schon jetzt in Sachen einer politischen Anerkennung des (Ober)Schlesischen als Regionalsprache von historischen Fortschritten sprechen. Und außerdem – wie es viele aus der Gruppe der (Ober)Schlesisch-Befürwortern behaupten – handle es sich nur noch um Jahre, bis eine Anerkennung früher oder später zustande kommt. Denn die oberschlesische Abgeordnete Monika Rosa, die als vorantreibende Kraft hinter dem achten Gesetzesentwurf gilt, hat es auf ihrem Facebook-Profil am 24. April 2024 auf den Punkt gebracht: „Die (ober)schlesische Sprache ist eine Tatsache. Ihre Anerkennung ist nur eine Frage des politischen Willens.“[12]

 

 

Ergänzende Informationen:

Der Gesetzesentwurf zur Anerkennung des (Ober)Schlesischen wurde bislang insgesamt sieben Mal von den folgenden Personen im polnischen Parlament vorgestellt, wie es Prof. Henryk Jaroszewicz in seinem Beitrag erwähnt[13]. Der aktuelle Gesetzesentwurf von Monika Rosa aus dem Jahr 2024 wurde hinzugefügt:

  • Versuch 1 – 2007 – Krzysztof Szyga
  • Versuch 2 – 2010 – Marek Plura
  • Versuch 3 – 2012 – Marek Plura
  • Versuch 4 – 2014 – Jacek Tomaszewski
  • Versuch 5 – 2018 – Monika Rosa
  • Versuch 6 – 2020 – Monika Rosa
  • Versuch 7 – 2023 – Maciej Kopiec
  • Versuch 8 – 2024 – Monika Rosa
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[1] vgl. Adam Kubik: (Ober)Schlesisch: Vortrag und Sprachkurs an der Universität des Saarlandes. Wachtyrz.eu vom 24.04.2024. URL: https://wachtyrz.eu/oberschlesisch-vortrag-und-sprachkurs-an-der-universitat-des-saarlandes/

[2] vgl. Redakcyjŏ (Redaktion): Ślōnski jynzykym regiōnalnym! Wachtyrz.eu vom 26.04.2024. URL: https://wachtyrz.eu/slonski-jynzykym-regionalnym/

[3] vgl. arb: Sejm podjął decyzję w sprawie języka śląskiego. rp.pl. URL: https://www.rp.pl/polityka/art40252531-sejm-podjal-decyzje-w-sprawie-jezyka-slaskiego

[4] vgl. Maciej Poloczek: Przewodnicząca Rady Języka Polskiego za uznaniem języka śląskiego. „To jest bardzo żywotny język”. Ślązag.pl vom 09.05.2024. URL: https://www.slazag.pl/przewodniczaca-rady-jezyka-polskiego-za-uznaniem-jezyka-slaskiego-to-jest-bardzo-zywotny-jezyk

[5] vgl. Katarzyna Broda: Język śląski jako regionalny? Senat zagłosował za. Dziennik Gazeta Prawna vom 08.05.2024. URL: https://www.gazetaprawna.pl/wiadomosci/kraj/artykuly/9503065,jezyk-slaski-jako-regionalny-senat-zaglosowal-za.html

[6] vgl. Arkadiusz Szymczak: Język śląski jako regionalny przegłosowany przez Senat. Teraz czas na decyzję prezydenta Andrzeja Dudy. Ślązag.pl vom 10.05.2024. URL: https://www.slazag.pl/jezyk-slaski-przeglosowany-przez-senat

[7] vgl. sma: Język śląski. Olga Tokarczuk składa podpis pod apelem, Szczepan Twardoch pisze list do prezydenta. Polska Agencja Prasowa vom 10.05.2024. URL: https://www.pap.pl/aktualnosci/jezyk-slaski-olga-tokarczuk-sklada-podpis-pod-apelem-szczepan-twardoch-pisze-list-do

[8] vgl. Karolina Trela: Andrzej Duda już zdecydował ws. języka śląskiego? Są nieoficjalne ustalenia. gazeta.pl vom 05.05.2024. URL: https://wiadomosci.gazeta.pl/wiadomosci/7,114884,30942120,andrzej-duda-juz-zdecydowal-ws-jezyka-slaskiego-sa-nieoficjalne.html

[9] vgl. Kamil Lorańczyk: Łukasz Kohut: Moim zdaniem prezydent Andrzej Duda ustawy o języku śląskim nie podpisze. Dziennik Zachodni vom 06.05.2024. URL: https://dziennikzachodni.pl/lukasz-kohut-moim-zdaniem-prezydent-andrzej-duda-ustawy-o-jezyku-slaskim-nie-podpisze/ar/c1-18511893

[10] Maciej Poloczek: Bolesław Piecha, poseł PiS apeluje do prezydenta Dudy o podpisanie ustawy o języku śląskim. “To nasza tradycja”. Ślązag.pl vom 09.05.2024. URL: https://www.slazag.pl/posel-pis-uwaza-ze-prezydent-duda-powinien-podpisac-ustawe-o-jezyku-slaskim

[11] vgl. Katarzyna Broda: Język śląski jako regionalny? Senat zagłosował za. Dziennik Gazeta Prawna vom 08.05.2024. URL: https://www.gazetaprawna.pl/wiadomosci/kraj/artykuly/9503065,jezyk-slaski-jako-regionalny-senat-zaglosowal-za.html

[12] Monika Rosa: FB-Beitrag vom 24.044.2024. URL: https://www.facebook.com/search/top/?q=Takie%20wsparcie%20dodaje%20skrzyde%C5%82.%20J%C4%99zyk%20%C5%9Bl%C4%85ski%20jest%20faktem.%20Jego%20uznanie%20jest%20tylko%20kwesti%C4%85%20woli%20politycznej.%20Dzia%C5%82amy!&locale=pl_PL

[13] vgl. Henryk Jaroszewicz: Próby zmiany urzędowego statusu etnolektu śląskiego w latach 2006-2023. URL: https://www.researchgate.net/publication/379301063_Proby_zmiany_urzedowego_statusu_etnolektu_slaskiego_w_latach_2006-2023/citations

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