Wege zur Deutschsprachigkeit

Im Folgenden werden acht Ratschläge erteilt, wie man sich dem Deutschen nähern kann. Es sind praktische Tipps aus eigener Erfahrung als DaF-Lektor und als Lerner anderer Sprachen.

  1. Motivation finden

Die Klarheit darüber schaffen, warum es mir wichtig ist Deutsch zu beherrschen. Die Antworten auf die Frage nach dem Warum, hilft mir die Krisenzeiten durchzustehen, wenn ich auf Hindernisse stoße, um das Vorhaben durchzuziehen. Jede/-r von uns besitzt eigene persönlichen Gründe, über die ich mir zunächst bewusst werden muss, bevor ich mit dem Lernen beginne: Familienmitglieder, Karriere-Chancen, Berufswege, Kultur, Bildungsangebote etc. Dazu gehört ebenso die Benennung von Faktoren, die mich bisher daran gehindert haben, das Vorhaben durchzuziehen: Vorbehalte gegenüber Menschen und Sprache, Zeitmangel usw. Diese gilt es auszusprechen und eine Offenheit zu ihrer Hinterfragung zu schaffen.

  1. Lernform wählen

Wo und wie kann ich den nötigen Stoff lernen? Hierbei gilt es zu definieren, welche Form des Unterrichts ich bevorzuge: den Einzelunterricht, den Gruppenunterricht, den Selbstlernkurs als Buch mit einem Audioguide oder als eine Filmserie im Internet, oder einen Mix aus diesen Dingen. Und wo ich diese Lernmöglichkeiten finden kann.

  1. Scham ablegen

Beim Lernen von Sprachen gelten zwei Dinge von Anfang an: „Ich werde mich nicht schämen!“ und „Ich muss kein Perfektionist sein!“. Eine derartige Einstellung hindert mich nicht mehr daran, die Sprache zu gebrauchen, und darum geht es doch schließlich! Es ist sinnvoll von Anfang an – trotz Fehler – mit einer aktiven Anwendung der Sprache zu beginnen. Die Angst davor kann mir die folgende Einstellung nehmen: Ich entdecke mich neu, so wie ich mich bislang noch nicht gekannt habe. Ich bin schließlich ein „werdender Mensch“, wie es bei den deutschen Philosophen heißt. Somit gilt ebenfalls der Spruch: „Was noch nicht ist, kann noch werden“.

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  1. „Sprechumfeld“ aufbauen
Dej pozōr tyż:  Exodus – schluss!

Damit das frühe Sprechen beginnen kann, braucht es auch Anreize dazu. Hierbei gilt es aktiv und passiv von Medien umgeben zu sein: beim Kochen, Putzen, Autofahren. Dank dem Internet haben wir sowohl einen viel größeren Zugang zu diversen Musikrichtungen, Filmen aber ebenso zum Radio, zum Fernsehen und speziell dafür ausgerichteten Deutschkursen auf allen Niveaustufen (Deutsche Welle – Deutsch Lernen). Darüber hinaus müssen wir in unserem Alltag selbst Situationen schaffen, in denen wir tatsächlich die Sprache anwenden können. Hierbei erweisen sich Personengruppen als sehr hilfreich, in denen ich verschiedene Themen ansprechen kann, z.B. ein Stammtisch, ein Kaffeeklatsch, eine Wanderung. Die Stammtisch-Lösung ließe sich gut bei DFK’s auf einer Gemeinde-Ebene einrichten, sodass Interessierte aus der ganzen Umgebung, für unterschiedliche Niveaustufen bzw. Altersgruppen (je nach Bedarf) zusammenkommen. Dabei muss ein Umfeld geschaffen werden, das an keinen schulischen Unterricht erinnert, sondern eines, dass die praktische Anwendung fördert, wie sie bei einem gewöhnlichen Treffen in einer deutschsprachigen Region zustande kommt. Für Studierende bieten sich hierbei Treffen der deutschsprachigen Verbindungen an, oder eine Eigeninitiative der Germanistikstudierenden, die in ihrem Umfeld ein deutschsprachiges Treffen organisieren.

  1. „Fortgeschrittene“ um Unterstützung bitten

Wenn ich mich in der Sprache wohl fühle, kann ich fortgeschrittene Sprachnutzer aus dem unmittelbaren häuslichen bzw. nachbarschaftlichen Umfeld darum bitten, dass sie sich regelmäßig mit mir für eine bestimmte Zeit – von z.B. 30 Minuten – während des weiteren Tagesablaufs lediglich auf Deutsch unterhalten. Dabei wirken verschiedene Alltagsituationen auf mich ein, in denen ich versuche, meine Gedanken im Deutschen zum Ausdruck zu bringen. Und seien wir mal ehrlich – jede/-r kennt zumindest eine Person in Oberschlesien, die noch ein wenig Deutsch sprechen kann. Es muss nicht perfekt sein! Das Prinzip dahinter heißt „nur“ und zugleich „sogar“ – die aktive Übung und Anwendung der Sprache! Dies ist auch ein wesentlicher Vorteil beim Deutschlernen in Oberschlesien, den man nicht besitzt, wenn man Italienisch, Französisch oder andere Sprachen lernen möchte.

  1. Mediale Impulse finden
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Nachrichtensendungen bzw. Zeitungen auch im Deutschen regelmäßig mitverfolgen. Damit kann ich schon zu Beginn anfangen, trotz eines Gefühls des Nichtverstehens. Anfangs werde ich bei gehörten Texten zwar eher auf die Sprachmelodie und die Aussprache achten, doch folglich wird sich mein Wille das Gehörte zu verstehen als stärker erweisen. Auch durchs passive Zuhören erweitert sich auf unbewusste Weise mein Wortschatz, wobei ich gleichzeitig den positiven Effekt eines kulturellen Eintauschens ins aktuelle Geschehen verzeichnen kann. Bei unverstandenen Passagen und Worten suche ich selbst (z.B. dank einer Wörterbuch-App oder dem Internet im Handy) oder lasse mir diese auf Deutsch erklären, wenn ich über die Möglichkeit dazu verfüge. Dabei erweist sich das klassische Werkzeug, um neuen Wortschatz und neue Sätze „festzuhalten“, – ein Notizblock – von unersetzlichem Wert.

  1. Es gibt nur Neues

Die eigene persönliche Einstellung ist hierbei ebenso äußerst wichtig. Hierzu gibt es eine goldene Regel: „SCHWIERIG“ GIBT ES NICHT, ES GIBT NUR NEUES. Diese Haltung bewährt sich gut und lässt sich begründen: Wenn ich Herausforderungen ohne Schwierigkeitszuschreibung begegne, gelten diese als neutral „neu“. Durch die Aneignung (Erläuterung und Wiederholung) kommt mit der Zeit das Verstehen und der Schwierigkeitsgrad wird dadurch abgemildert. Dabei heißt es geduldig und nachsichtig mit sich selbst zu sein, und dennoch regelmäßig weiter daran arbeiten. Es entsteht ein Bewusstsein, dass ich weitere Hürden ebenso mit der Zeit meistern kann. Vorbehalte, wie die Zuschreibung: „etwas ist schwierig“, sind lediglich Störfaktoren, die eine mich am Lernprozess hinderliche Emotionalität bzw. Abneigung einführen, auf die ich gerne verzichte.

  1. Früchte sammeln
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Abgesehen vom oft erwähnten Geld und von den wirtschaftlichen Faktoren, ist der familiäre Bezug zwischen schlesischen Familien aus der Heimat mit den im deutschsprachigen Raum lebenden Verwandten der wichtigste Grund, warum man sich für Deutsch entscheidet. Oft möchte man sich mit den lediglich deutschsprechenden Lebenspartnern der Verwandten unterhalten können. Darüber hinaus besitzt der zwischenmenschliche Kontakt einen viel höheren Wert der Lebensqualität als das Geld, nach dem wir sowieso stets streben werden. Durch verknüpfte Freundschaften bin ich imstande nicht nur bei Besuchen die Rolle des Gastgebers einzunehmen und die Schönheit unserer Heimat persönlicher zu zeigen, sondern lerne bei auswärtigen Besuchen ebenso deren Orte und Lebensweisen kennen.

Mit Deutschkenntnissen kann ich die deutschen Elemente im Schlesischen und in der uns umgebenden Landschaft und Geschichte der Heimat besser erkennen. Dies führt zu einem Überraschungseffekt und Freude. Ein Vorteil im Berufsleben kann sich durch zusätzliche Sprachkenntnisse ebenfalls als positiv auf mein weiteres Leben auswirken. Wenn wir bedenken wie viele Unternehmen es in der Heimat gibt, die nach deutschsprachigen Mitarbeitern suchen, frage ich mich, warum diese Offensichtlichkeit zum Gebrauch des Deutschen nicht tatsächlich wahrgenommen wird?

Adam Kubik – Doktorand und Deutschlektor an der Universität Heidelberg, BW-Sprachlektor an der Yale University (2018-2019), Schlesienforscher, Oberschlesier aus dem Annabergland

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Jedyn kōmyntŏrz ô „Wege zur Deutschsprachigkeit

  • 10 czyrwnia 2021 ô 00:33
    Permalink

    Ablage gewisser Vorbehalte, gegenüber der deutschen Sprache, Mittlerweile ist es oft so, dass Schlesier in O/S ohne deutsche Abstammung, viel offener mit dem Deutsch Lernen umgehen, als Schlesier mit einer eben deutschen Abstammung. Wenn es schon Menschen ohne familiären Bezug schaffen die Sprache der Deutschen zu Lernen, dann ist es ein Hinweis Genug, dass es öffentlich gut ankommt, bei Unternehmen um so mehr – dabei müssen die Deutschkenntnisse, um einen Job zu finden, nicht zwingend über einem B1/B2 Niveau sein. Beim gekonnten Spracheinsatz, kann sogar A2 schon ausreichend sein. Ein weitere Motivationsfaktor wäre, dass Es für Deutsch Sprachzuschüsse gibt, welche es in Englisch-Sprachigen Abteilungen oft nicht vorhanden sind, da Englisch die Allerweltssprache der ganzen Welt ist. Scharm finde ich ist nur eine Ausrede (womöglich auch eine Teils unbewusste, und deswegen leider eine so bequeme…). Es ist schlichtweg cool ne andere Sprache aus Eigeninitiative zu Lernen, und nicht auf Facebook zu vergammeln, nichts gegen Facebook, da es quasi der erste Schritt sein könnte… … Einfach Mall die Sprache auf FB in Deutsch ändern, weiter kann’s mit YouTube gehen, die Algorythmen in den Videovorschlägen bei YT passen sich auch an die Gewohnheit der User… …Einfach Mall Versuchen, per Suchmaschine deutsche Kanäle zu finden, dann kommen auch neue Videovorschläge auf Deutsch :).

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