Ein oberschlesischer Jazzmusiker, dessen Lebensweg in Ratibor begann und in die Staaten führte

Er arbeitete mit solchen Größen zusammen wie: Frank Sinatra, Bill Evans, Billie Holiday, Stan Getz und Barbara Streisand. Und dennoch erwies es sich als zu wenig, um in seiner Heimatstadt – Ratibor- einen Straßennamen nach ihm zu benennen.

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Claus Ogerman – so lautet sein Name – kam als Sohn des Johann (Hans) Ogerman und seiner Ehefrau Emma, geborene Wrazidlo, am 29. April 1930 in Ratibor zur Welt. Vor ein paar Jahren hat ein Ratiborer Ratsmitglied einen Antrag gestellt, um Claus Ogerman als herausragenden Sohn des Ratiborer Landes mit der Ratiborer Ehrenbürgerschaft zu würdigen. Was ergab sich daraus? Nun ganz genau gar nichts. Ogerman wurde nicht mit der Ratiborer Ehrenbürgerschaft gewürdigt, und verstarb am 8. März 2016 in München.

Bis heute erhielte er keine Würdigung seitens seiner Heimatstadt. Kaum einer in Ratibor, geschweige denn vom restlichen Oberschlesien – die Kenner des Genres mal ausgenommen – hat vom Namen Ogerman gehört. Claus Ogerman war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, welche Zeit seines Lebens stets lieber im Schatten der Leute blieb, mit denen er zusammenarbeitete.

Claus Vater – Johann – war vor dem Zweiten Weltkrieg Leiter zweier renommierten Photographie-Betriebe, welche den Namen: „Helios“ und „Am Ring“ trugen. Der Senior hatte darüber hinaus Pläne einen Plattenladen zu eröffnen, woraus sich schon ahnen lässt, dass die Familie neben der Photographie auch ein Faible für Musik hatte. Selbst hatte er schon für den Erwerb von Vinyl-Platten angeblich beträchtliche Summen ausgegeben, die ausreichend sein sollten, um einen Vorrat von ca. 8000 Tonträgern anzulegen! Aus den Plänen den Laden zu eröffnen wurde leider nichts, dies stand jedoch dem jungen Claus nicht im Wege, um den Klängen verschiedenster Musikrichtungen – mit von Nazis verbotenen Werken inbegriffen – nachzulauschen. Darunter fanden sich u. a. Werke Louis Armstrongs, Duke Ellingtons, oder auch neoklassizistische Schöpfungen Igor Strawinskis. Der Junge Claus Ogerman besucht dabei auch Klavierunterricht. Zu seinem Lehrer wurde der 1879 in Langenbielau geborene, Musiklehrer und Dirigent Richard Ottinger, der nach dem I Weltkrieg die Stelle des Betreuers der Ratiborer Singakademie einnahm und Dirigent der „Liedertafel 1834 Ratibor“ wurde.

Die Autorin des Artikels Natalia Klimaschka samt Viny-Platte von Claus Ogerman, Foto: Privatarchiv

Clauses Jungendzeit wurde vom dem sich dem Ende neigenden II Weltkrieg unterbrochen. Als wertvoll ergibt es sich hierbei seinen Erinnerungen, eines damals 15´zehnjährigen Aufmerksamkeit zu schenken. In einem seiner Interviews gab er Preis, dass seine Familie damals seine schlimmste Zeit durchlebte. Sein Vater wurde im Alter von 60´zig Jahren in den Volkssturm zwangseinberufen und somit von der Familie getrennt. Der Rest der Familie entschied sich vor der sich Ratibor nähernden Front zu fliehen.

Im Zuge der Flucht vor der Roten Armee verstarb leider die schon im Alter fortgeschrittene Mutter von Claus – wie er selbst nach Jahren zurückdenkt und bemerkt: „sie zerbrach körperlich unter der Last des Gepäcks, sie war völligst erschöpft und ausgelaugt. Sie starb und wir mussten sie am Straßenrand zurücklassen, ein weiter Weg lag noch vor uns, wir schritten weiter mit meiner älteren Schwester und einem meiner älteren Brüder. Wir schafften so um die 600 Mailen – das Gepäck tragend – um dann bei Prag einen Zug zu erwischen, der uns nach Bayern brachte. Der Zug wurde zum aller Glück von den US-Armee übergriffen. So erschien es uns, dass das Leben wieder vom neuen begann, jedoch unter unglaubwürdigen Umständen. Unser Vater fand uns schließlich mit der Hilfe des Roten Kreuzes. Er selbst verbrachte die Zeit irgendwo in einem Gefangenenlager“.

Infolge des Krieges verlor die Familie Ogerman nicht nur ihre Mutter und Ehefrau, sondern auch ihr ganzes Hab und Gut, welches in Ratibor zurückblieb. Die Verwandtschaft und Bekannte der Familie trafen verschiedene Schicksale. Wie das des Klavierlehrers Ottinger, welcher laut aussage Ogermans nicht lange nach Kriegsende starb – wie zahlreiche Deutschschlesier soll er den Wunsch geäußert haben im nun polnischen gewordenen Oberschlesien zu bleiben. Die Miliz soll ihm nur aus dem Grund erschossen haben, da er Deutscher war und sich weigerte Schlesien zu verlassen. In späterer Zeit widmete Claus seinem Lehrer einen seiner selbstverfassten Konzerte.

In Nürnberg und somit in der amerikanischen Besatzungszone, wo es seine Familie verschlug, konnte Claus seine Leidenschaft für die Jazzmusik weiterentwickeln, und nahm an ein paar Musikprojekten Teil. Im Jahre 1959 wanderte er nach New York aus, um dort schließlich groß Karriere zu machen.

In den Vereinigten Staaten kam er zum Beinamen „The Prussian“ also „Der Preuße“. Hierbei gibt es eine unterhaltsame Anekdote zu seinem ersten Zusammentreffen mit dem berühmten Musiker Antônio Carlos Jobi, laut der er angeblich anfangs Zweifel hegte, ob Ogerman als Arrangeur seiner Werke geeignet sei: „Dieser Typ wird doch aus meinen Stücken preußische Marschmusik machen!“.

Letzten Endes gaben die beiden aber 7 Alben zusammen heraus und überdies begründeten sie eine tiefe Freundschaft zwischen einander. Der Ratiborer gewann stets an Anerkennung durch die Zusammenarbeit mit solchen musikalischen Größen wie: Frank Sinatra, Bill Evans, Billie Holiday, Stan Getz oder Barbra Streisand. Am Ende der 70er beschloss Ogerman das Profil seines Schaffens zu ändern, wobei ihm erst Absagen der Zusammenarbeit mit (u. a. Phil Collins, Michael Jackson oder Prince) den Mythos des Großen Claus Ogerman verschafften. In den letzten Jahren seines leben konnte ihn noch Diana Krall zur Zusammenarbeit beim Album „The Look of Love“ überreden, welches ihm noch 2010 den Grammy einbrachte.

Der musikalische Erfolg Ogermans ist ohne Zweifel erhaben. Für die Kenner der Jazzmusik wird er immer eine geschätzte Persönlichkeit bleiben. Nichtsdestotrotz ist es schade das er in seiner Heimatstadt Ratibor, wie auch in ganz Oberschlesien als eine weit entfernte und vergessene Person erscheint. Ohne Zweifel wäre es vorteilhaft an Claus Ogerman in Ratibor zu erinnern, und seine Verbindungen mit der Stadt aufzufrischen. Wer weis, vielleicht wäre er somit ein Vorbild, eine Anregung für Junge Musik-Adepten in unserer Gegend, so damit wir einen zweiten Claus Ogerman erleben könnten?

 

Natalia Klimaschka

Absolventin der Fakultät für Recht und Verwaltung an der Universität Oppeln, begeisterte Fotografin und Erkunderin des Ratiborer Landes.

 

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