Forscher diskutieren in Heidelberg über Oberschlesien

Am kommenden Dienstag, den 10. Mai 2022, findet um 19.30 Uhr c.t. eine Gastveranstaltung bei »artes liberales – universitas« in Heidelberg statt. Der an der ältesten Universität Schottlands tätige Wissenschaftler aus Oberschlesien, Prof. Tomasz Kamusella, beginnt den Abend mit einem englischsprachigen Impulsvortrag, dem anschließend eine Diskussionsrunde mit den anwesenden Personen in englischer und deutscher Sprache folgen wird. Die Moderation der Veranstaltung übernimmt der ebenfalls aus Oberschlesien stammende Heidelberger Doktorand Adam Kubik.

Das Thema der Veranstaltung wurde als eine Frage ausformuliert, die die Vermischung von Sprachen, Nationalitäten und Identitäten der Herkunftsregion beider Forscher anspricht und bietet den Anwesenden eine Auseinandersetzung mit der Transnationalität und -kulturalität in diesem Teil Mitteleuropas an:

„Why Do Poland’s Germans Speak Silesian?”
(Warum sprechen die Deutschen in Polen (Ober)Schlesisch?)

Die Veranstaltungsbeschreibung liefert konkretere Einblicke in die Inhalte, die während des Impulsvortrags angesprochen werden:

Dalszŏ tajla artykułu niżyj

“The Germans of Upper Silesia constitute present-day Poland’s largest recognised minority. Yet, they speak Silesian, not German. Meanwhile, the country’s de facto largest minority, the Silesians, remains unrecognized and suppressed.“

(Die Deutschen in Oberschlesien machen im gegenwärtigen Polen die größte anerkannte Minderheit aus. Dabei sprechen sie (Ober)Schlesisch und kein Deutsch. Währenddessen bleibt die de facto größte Minderheit des Landes, die der (Ober)Schlesier, nicht anerkannt und wird unterdrückt.“)

Wie sich dem Beschreibungstext entnehmen lässt, wird der Fokus des Abends auf den beiden Minderheiten Oberschlesiens liegen: den Deutschen und den (Ober)Schlesiern, wie auch auf dem Aspekt ihrer sprachlichen Situation. Die Deutschen in Oberschlesien, dessen Status zumindest anerkannt ist, bedienen sich oft nicht des als ihre Vorfahrenssprache angegebenen Deutschen, doch gebrauchen viel öfter das (Ober)Schlesische. Das (Ober)Schlesische wird wiederum von der polnischen Regierung als Regionalsprache nicht anerkannt, trotz einer entgegengesetzten Auffassung vieler gegenwärtiger SprachwissenschaftlerInnen, die es als eine eigenständige Sprache innerhalb der westslawischen Sprachfamilie in ihren wissenschaftlichen Veröffentlichungen ansehen. Ebenso steht es um die nationale Identität der (Ober)SchlesierInnen bestellt, die von der polnischen Regierung – ebenso wie ihre Sprache – weiterhin nicht anerkannt ist.

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Schottisch-deutsche Wissenschaftsverbindungen zu Oberschlesien wachsen

Die Verbindung zwischen den ältesten Universitätsstädten Schottlands (St Andrews) und Deutschlands (Heidelberg) wächst weiterhin hinsichtlich des wissenschaftlichen Austausches zu Oberschlesien und stellt bereits eine zweite Begegnungsmöglichkeit der beiden aus dem Annabergland stammenden Schlesienforscher dar. Der wissenschaftliche Austausch, zwischen den an den weltberühmten Universitäten tätigen Oberschlesiern, wurde bereits vor der Pandemie im September 2019 initiiert. Der damalige Grundstein für die Zusammenarbeit wurde dank eines Stipendiums der Father Leopold Moczygemba Foundation aus Texas (USA) gelegt, das Kubik einen Forschungsaufenthalt an der University of St Andrews ermöglicht hatte. Die Father Leopold Moczygemba Foundation ist eine von den Vertretern der oberschlesischen Nachkommen in Texas geführte Stiftung (den sogenannten „Silesian Texans“), deren Ziel es ist, die „Entwicklung, Pflege und Unterstützung von Austauschprogrammen für kulturelle, religiöse und pädagogische Aktivitäten in Texas und Schlesien“ zu fördern.

Der kurze Aufenthalt in Heidelberg von Prof. Kamusella ist dank seiner aktuellen einmonatigen Vortragsreihe am Institut für Slawistik und Kaukasusstudien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena möglich. In den folgenden Tagen wird Prof. Kamusella Heidelberg besuchen und neben dem privaten Austausch mit den an Oberschlesien Interessierten, auch die oben genannte öffentliche Gastveranstaltung bei »artes liberales – universitas« in Heidelberg halten. Diese Veranstaltung ist als zu den europäisch gesinnten Beiträgen über eine offene Betrachtung der oberschlesischen Mehrsprachigkeit und Multikulturalität anzusehen. Diese wurden in den letzten Jahren sehr stark dank Debatten gefördert, die im unweit von Heidelberg gelegenen Straßburg vom EU-Abgeordneten Łukasz Kohut veranstaltet worden sind, wie die zuletzt im Januar 2022 im dortigen Parlament stattgefundene Konferenz „Schlesien in Europa“.

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Da die nationalistisch-polonisierenden Trends der aktuellen polnischen Regierung sehr wenig Raum für wissenschaftliche, offene Diskurse zu Oberschlesien in der Region selbst schaffen, verlagern sich die wissenschaftlichen Diskussionsrunden darüber nach Westeuropa, statt in der Herkunftsregion für rege Debatten und die Minderheiten unterstützende Entwicklung an den dortigen Hochschulen zu sorgen. Es erfreut jedoch sehr, dass diese Thematik in einigen berühmten Universitätsstädten Europas aufgegriffen wird und es zu Veranstaltungen wie die am kommenden Dienstag kommt, die den am Thema Interessierten Informationen über die aktuellen Sachlagen von mehrkulturellen und -sprachigen Regionen in Mitteleuropa verschaffen können.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Genauere Informationen entnehmen Sie bitte dem Poster.

Wichtigste Informationen im Überblick:

Was und wo: Gastveranstaltung bei »artes liberales – universitas« in Heidelberg, Mittelbadgasse 7 / Ecke Ingrimstraße D – 69117 Heidelberg

Datum: Dienstag, den 10. Mai 2022,

Uhrzeit: 19.30 Uhr c.t.

Thema: „Why Do Poland’s Germans Speak Silesian?”

Vortragssprache: Englisch, mit anschließender Möglichkeit Fragen auf Deutsch zu stellen

Vortragender: Prof. Tomasz Kamusella – ist lehrender Professor an der School of History der University of St Andrews (Schottland), Autor zahlreicher Publikationen über Politik, Sprache, Macht, Ethnizität und Nationalismen (zuletzt: Tomasz Kamusella, Politics and the slavic Languages, Routledge, 2021), Mitglied der Royal Historical Society (Königlichen Historischen Gesellschaft).

Dej pozōr tyż:  Na gōrnoślōnskich szportplacach, 22.01.2023

Moderation: Adam Kubik – Doktorand der Universität Heidelberg, Autor von Beiträgen zu Oberschlesien, Südtirol und Silesian Texans (zuletzt: Adam Pe(j)ter Kubik, Reisememoiren. Oberschlesien – Heidelberg – Südtirol – Yale – Texas – St Andrews – Schottland, Silesia Progress, 2022), Alumnus der Heidelberger Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenschaften (HGGS).

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Jedyn kōmyntŏrz ô „Forscher diskutieren in Heidelberg über Oberschlesien

  • 6 mŏja 2022 ô 14:35
    Permalink

    Sehr gut, da die Forschende dies nicht im vollen Unfang in der Oberschlesischen Heimat dürfen, solange Sie über den Warschauer Geldhahn vergütet werden. Klar gibt es kein offizielles Verbot frei in Sachen Schlesiens zu forschen für an polnischen Instituten Arbeitenden Forschenden. Ebenso wie es keine Garantie gibt, dass Sie jene Posten bewahren würden sobald Sie beginnen frei zu forschen. Der Fall des ehrenwerten Professors Kamusella, dürfte als Beispiel genügen.

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